04.11.19

Herbstgutachten 2019

„Konjunktur kühlt ab – Industrie in der Rezession“

Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Konjunkturprognose für Deutschland deutlich nach unten korrigiert. Waren sie im Frühjahr noch von einer Zunahme des Bruttoinlandsprodukts von 0,8 % im Jahr 2019 ausgegangen, erwarten sie nun nur noch 0,5 %.

Gründe für die schwache Entwicklung sind die nachlassende weltweite Nachfrage nach Investitionsgütern, auf deren Export die deutsche Wirtschaft spezialisiert ist, politische Unsicherheit und strukturelle Veränderungen in der Automobilindustrie. Die Finanzpolitik stützt hingegen die gesamtwirtschaftliche Expansion. Für das kommende Jahr senken die Konjunkturforscher ebenfalls ihre Prognose auf 1,1 % nach noch 1,8 % im Frühjahr.

„Die deutsche Industrie befindet sich in einer Rezession, die inzwischen auch auf die unternehmensnahen Dienstleister durchschlägt“, sagt Claus Michelsen, Leiter der Abteilung Konjunkturpolitik des gastgebenden Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). „Dass die Wirtschaft überhaupt noch expandiert, ist vor allem auf die anhaltende Kauflaune der privaten Haushalte zurückzuführen, die von den guten Lohnabschlüssen, Steuererleichterungen und Ausweitungen staatlicher Transfers gestützt wird.“

Weltweit bleiben die politischen Unwägbarkeiten bestehen und belasten über die Investitionsbereitschaft der Unternehmen den Außenhandel. „Vor allem die Risiken ausgehend von einer Eskalation des Handelskonflikts sind hoch. Aber auch ein ungeregelter Brexit hätte Kosten: Das Bruttoinlandsprodukt würde in Deutschland dadurch für sich genommen im kommenden Jahr um 0,4 % niedriger ausfallen als bei einem geregelten Austritt“, ergänzt Michelsen.

Wichtige Einschätzungen des Gutachtens

  • Die konjunkturelle Schwächephase der deutschen Wirtschaft dürfte noch einige Zeit anhalten. Eine Konjunkturkrise mit ausgeprägter Unterauslastung ist allerdings trotz der hohen Abwärtsrisiken nicht zu erwarten.
     
  • Insbesondere die außenwirtschaftliche Unsicherheit, geprägt durch Handelskonflikte und die Wirren des Brexits, bremsen die ausländische Nachfrage und die Investitionsbereitschaft der Unternehmen. Der private Konsum ist weiterhin Stütze der wirtschaftlichen Entwicklung.
     
  • Die Forschungsinstitute sprechen sich gegen finanzpolitischen Aktionismus und für Umschichtungen im Haushalt zugunsten einer stärker wachstumsorientierten und standortstärkenden Politik aus. Zudem wird eine demografiefeste Aufstellung der sozialen Sicherungssysteme gefordert.


Hier finden Sie die Langfassung des Gutachtens.

Über die Gemeinschaftsdiagnose

Die Gemeinschaftsdiagnose wird zweimal im Jahr im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie erstellt. Am Herbstgutachten 2019 haben mitgewirkt:

Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin)
ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e. V. in Kooperation mit der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich
Institut für Weltwirtschaft Kiel (IfW Kiel)
Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH)
RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Kooperation mit dem Institut für Höhere Studien Wien

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Herbstgutachten 2019

Ihr Anprechpartner im Verband

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Volkswirtschaft, Statistik und Förderpolitik
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