19.09.16Berlin

Industrieforum: Wenn Gegensätze einander anziehen

Frische Ideen vs. etablierte Unternehmen: Wie die UVB Brücken schlägt und alle etwas davon haben

„Zu Beginn war das ein Schock“, gibt Peter Brinkmann zu. „Das andere Outfit, die unüblichen Arbeitszeiten, der lockere Ton – das kannten viele bei uns nicht.“ Man spürt: Auch Brinkmann musste sich erst daran gewöhnen, dass plötzlich junge Leute aus der Berliner Startup-Szene bei dem 80 Jahre alten Automatisierungs-Unternehmen Schleicher auftauchten. Mit der Zeit arrangierte man sich. Und: „Wir haben uns natürlich etwas dabei gedacht“, berichtet Brinkmann, einer der führenden Entwickler beim Berliner Mittelständler.

Die Startup-Leute waren gekommen, weil Schleicher sie darum gebeten hat. Das Unternehmen hat einen Inkubator namens Sizzl gegründet („Schleicher Incubator Zoom Zone Labs“), um Anschluss an die Welt von morgen zu finden. In den Sizzl-Büros helfen die Schleicher-Leute den Newcomern dabei, professioneller zu werden und ihre Ideen rasch an den Markt zu bringen. Und Schleicher, das etablierte Unternehmen, hofft, davon zu lernen. Ein Co-Working-Space und kurze Wege zwischen Gründern und erfahrenen Ingenieuren sollen beiden Seiten helfen.

Top secret unter der Brücke

Es sind Geschichten wie die von Peter Brinkmann und Schleicher Electronic, um die es beim Industrieforum der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg am 19. September im Kern ging. „Wie die Hauptstadtregion morgen produziert“, lautete die Kernfrage. Digitaler natürlich, moderner, effizienter – das war allen 200 Teilnehmern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik klar. Aber eben vor allem vernetzter – mit einem Brückenschlag zwischen Newcomern und jahrzehntealten Unternehmen. „Die Industrie in der Hauptstadtregion hat eine gute Zukunft – gerade wegen der Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft, von Startups und etablierten Unternehmen“, befand UVB-Präsident Udo Niehage.

Ein anderes Beispiel dafür ist die Deutsche Bahn. DB mindbox heißt bei dem Staatskonzern die Abteilung für neue Ideen. Die Bögen unter dem S-Bahnhof Jannowitzbrücke sind der Ort, an den die Bahn externe Gründer und Entwickler bittet und ihnen Geld, Rat und Tat und sogar sensible Betriebsdaten zur Verfügung stellt, die früher Top secret waren. „Das war bislang für uns undenkbar“, bekannte Frank Wolter, der sich bei der Bahn um die Startups kümmert. Das Ergebnis: Die Ideen der jungen Wilden verbessern den Informationsfluss bei der Bahn und machen die Infrastruktur effizienter.

Wenn neue Handschuhe Millionen sparen

Offenheit bei der Industrie ist die eine Seite – ohne pfiffige Startup-Ideen auf der anderen Seite geht es aber nicht. Daran war indes kein Mangel auf dem Industrieforum. ProGlove etwa hat smarte Handschuhe entwickelt. Sie helfen Arbeitern etwa bei der Montage von Autos, stets die richtigen Teile auszuwählen  und  zu verbauen. „Mit minimalem Aufwand können unsere Kunden Millionen sparen“, sagt Thomas Kirchner, einer der ProGlove-Gründer, selbstbewusst.

Auch Big Rep will die Industrie verändern – mit den weltgrößten 3D-Druckern, produziert in Kreuzberg. Synfioo aus Potsdam hat nicht nur einen ungewöhnlichen Namen, sondern ein ebensolches Produkt. Die Logistik-Software prüft die gesamte Lieferkette ständig auf Störungen und optimiert sie. Auch Virtenio sieht sich schon weit vorne. Sensoren und Analyse-Instrumente sollen Transporte gezielt überwachen helfen und Daten direkt in die Cloud liefern.

Kerber: Mehr Wertschätzung für die Industrie

Es reicht aber nicht, Neues zu ersinnen – es muss auch umgesetzt werden. Das war das Credo von Markus Kerber, dem Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Die Industrie schaffe Lösungswege, befand er. „Der gesellschaftliche Stellenwert und die politische Wertschätzung der Industrie müssen mit der Fähigkeit der Industrie einhergehen, die Entwicklung der modernen Industriegesellschaft zu fördern.“ Das müsse man in Zukunft stärker verdeutlichen.

Der Film zum Forum

Wenn Gegensätze einander anziehen: Wie Konzerne und innovative Startups zusammenarbeiten, darum ging es auf dem UVB-Industrieforum am 19. September im Haus der Wirtschaft.

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