01.10.19

Von Menschen und Fahrzeugen

Frühstücksdebatte Intelligente Mobilität am 10.9.2019

Alle Expertinnen und Experten sagen: Die Intelligente Mobilität der Zukunft ist digital, autonom und vernetzt. Doch soll sie das wirklich sein?

Michael Birk startet seinen Vortrag "Mobilitätswende. Ein (real)satirisches Essay.“ mit einer provokanten rhetorischen Frage: Wollen wir wirklich einmal als degradierte Konsumenten enden, wie sie der Animationsfilm WALL·E zeigt? In diesem Science Fiction, der unter anderem im Weltall spielt, sind die Menschen nämlich infolge von jahrzehntelanger Automatisierung, medialer Dauerberieselung und geringer Gravitation zu fettleibigen Wesen verkommen, die aus eigener Kraft nicht mehr aufrecht gehen können.

Birk leitet das strategische Kunden- und Projektmanagement bei der DB Vertrieb GmbH. Er engagiert sich außerdem in der Netzwerkinitiative driversity für freie, nachhaltige und moderne Mitarbeitermobilität. Und nach seinem auigenzwinkernden Einstieg nennt er einige Argumente, warum Digitalisierung, Automatisierung und Vernetzung durchaus dabei helfen können, Mobilitätsprobleme zu lösen.

Veränderungen dürfen nicht wehtun. Oder?

Nach Einschätzung von Birk erleben wir in unserer Gesellschaft heute eine „Selbstübersteigerung des Ich“: „Wir wollen einfach nicht vernünftig sein und handeln. Wir tun nicht, was wir wissen.“ In vielen Fällen ergäben wir uns dem „inneren Schweinehund“. Veränderungen dürften nicht wehtun. Das führe dazu, dass wir an vielen Stellen in Konflikt mit den Regeln geraten. Doch nur mit neuen Regeln oder auch Verboten, so Birk, werde die Mobilität der Zukunft möglich sein. Und wahrscheinlich sei es auch meistens besser, das eigene Ego hintanzustellen und intelligente Algorithmen entscheiden zu lassen.

Wie gelingt die Mobilitätswende?

Birk ist überzeugt: durch Kollaboration, Regulierung und Digitalisierung. Dabei sollten Mobilitätsanbieter sich gegenüber ihren Wettbewerbern öffnen und interdisziplinär auch mit anderen interessierten Akteuren aus Wirtschaft, Wissenschaft, IT etc. kooperieren. Gleichzeitig müsse die Politik einen rechtlichen Rahmen setzen, der nicht nur die Nachhaltigkeit des Verkehrssystems, sondern auch Teilhabe der Bürger durch individuelle Mobilität sicherstellt.

Das gelte insbesondere in den Städten. Doch aktuell sei der Markt gerade dort derart segmentiert, dass Kollaboration nur „in Blasen“ möglich sei. Das gelte es zu überwinden. Und dabei könne die Digitalisierung Lösung und Problem zugleich sein. So zeige sich am Beispiel Uber: Neue Mobilitätsangebote können auch zu mehr unerwünschtem Verkehr führen. Das gelte z.B. auch für Mieträder oder E-Scooter, die Berlin zur Zeit geradezu „überfluteten“.

Intelligente Mobilität der Zukunft, zeigt sich Birk überzeugt, muss noch viel stärker integriert, intuitiv und am Gesamtnutzen der Gesellschaft ausgerichtet sein. Sie solle  sich nicht nur am persönlichen Nutzen des einzelnen Individuums orientieren, sondern auch am gesellschaftlichen Nutzen. Man solle sich von dem Credo verabschieden, dass Identität und sozialer Status von dem Auto abhängen, das man gerade fährt. Die jüngere Generation sei hier bereits ganz anders eingestellt.

„Wir bewegen uns gemeinsam im Raum.“

Mobilität ermöglicht Teilhabe. Es geht dabei um die gemeinsame Fortbewegung im „Ökosystem Verkehr“. Dadurch wird Mobilität, so Birk, zu einem überaus komplexen Schnittstellenthema, das weit mehr ist als die Summe der einzelnen Verkehrsmittel. Das Trennende zwischen den Mobilitätsarten müsse überwunden werden. In Zukunft müsse Mobilität weniger vom jeweiligen Vehikel aus gedacht werden, sondern vielmehr vom Mobilitätsnutzen der Menschen und der Nachhaltigkeit des Gesamtsystems.

Mitarbeiter-Mobilität aus 360 Grad-Perspektive

In diesem Zusammenhang stellte Michael Birk die Initiative driversity vor, die sich für moderne Mitarbeitermobilität auf der Grundlage von Freiheit, Miteinander und Nachhaltigkeit einsetzt. driversity arbeitet zur Zeit an einem virtuellen Reisebegleiter „für Reisen ohne Medienbrüche“. Angedacht ist auch ein Connected Travel Profile in der Blockchain, mit dem man alle Mobilitätsdienstleistungen ohne Registrierung nutzen kann. Und ein „smartes Anreizsystem“ soll eine nachhaltigere Mitarbeiter-Mobilität aus 360 Grad-Perspektive möglich machen. Initiatoren von driversity sind neben der Deutschen Bahn die GLS Bank, die Deutsche Gesellschaft für Personalführung und die Hochschule Heilbronn.

Mehr Mit- statt Gegeneinander: Wer bei driversity mitmachen will, sollte vor allem eine Bereitschaft mitbringen:  sein Wissen und seine Erfahrung auch mit potenziellen Wettbewerbern zu teilen, um gemeinsam ans Ziel zu kommen.

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