12.02.20Berlin

Abgebremstes Produktivitätswachstum – für Deutschland besonders problematisch

Vom Arbeitsvolumen in Deutschland sind perspektivisch kaum noch positive Wachstumsimpulse zu erwarten (demografischer Wandel). Daher stellt sich die Frage, wie das Potenzialwachstum der deutschen Volkswirtschaft über Produktivitätssteigerungen erhöht werden kann.


  • Mission: Der Rat der Europäischen Union (EU) hat den Mitgliedstaaten empfohlen, nationale Ausschüsse für Produktivität einzurichten. Zur Aufgabe dieser Ausschüsse zählen die Einschätzung und Analyse der Produktivitätsentwicklung und der Wettbewerbsfähigkeit. Neben Herausforderungen im jeweiligen Mitgliedstaat sind Aspekte der Europäischen Währungsunion (EWU) und der EU zu berücksichtigen. In Deutschland hat die Bundesregierung den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (SVR) mit dieser Aufgabe betraut.

  • Befund: Der weltweite Rückgang des Produktivitätswachstums scheint im Widerspruch zu der Hoffnung zu stehen, die in die produktivitätssteigernden Wirkungen der zunehmenden Computerisierung sowie in die Entwicklung neuer Anwendungen der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) wie z.B. Cloud Computing, Maschinelles Lernen oder Künstliche Intelligenz (KI) gesetzt wird. Angesichts des rasanten Fortschritts in den IKT über die vergangenen Jahre erscheint die derzeitige schwache Entwicklung somit als sog. "Produktivitätsparadoxon": Es ensteht viel Neues, aber die Produktivität stagniert.

  • Gründe für Deutschland:

  1. Verzögerungen beim Aufgreifen neuer Technologien. Der SVR spricht hier auch von „Adaptionsverzögerungen“. Das heißt, dass neue IKT nur langsam von den Unternehmen aufgenommen werden, weil z.B. das Know-how, das Personal oder die finanziellen Mittel fehlen.

  2. Rückgang der Gründungsdynamik. Dies könnte auf die im internationalen Vergleich immer noch hohe Produkt- und Arbeitsmarktregulierung zurückzuführen sein, so der SVR.

  3. Demografischer Wandel: Eine weitere Erklärung für das niedrigere Produktivitätswachstum liegt in der Alterung der Gesellschaft (Fachkräftemangel).
 
Maßnahmen (Auswahl):
  • Laut SVR ist Deutschland gut bei Inventionen (Erfindungen, die noch nicht im Markt platziert sind). Zu wenig davon werden zu Innovationen (am Markt verkäufliche Produkt-/Service-Neuerungen). Es gilt also, die Transformation von Wissen in wirtschaftlichen Erfolg zu stärken.
  • Durch lebenslanges Lernen kann die Anpassung älterer Arbeitnehmer an neue Technologien gesteigert und die Innovationsfähigkeit der Gesellschaft erhöht werden.
  • Die frühkindliche Bildung muss verbessert werden.
  • Ein international wettbewerbsfähiges Steuersystem ist dabei von großer Bedeutung (verlässliche Rahmenbedingungen für Unternehmen schaffen).
  • Stärkung der europäischen Wettbewerbspolitik.

Die ausführlichen Ergebnisse können der beigefügten Anlage entnommen werden.

Quelle: https://www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/themen/produktivitaet.html

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