23.04.20Berlin

Neustart in der Industrie - ein Szenario

Wann ist die Corona-Krise überwunden? Der BDI sieht eine Normalisierung in vier Phasen

Nach den Einschnitten durch die Corona-Krise versuchen die Unternehmen, wieder in die Spur zu kommen. Für einen Neustart brauchten die Unternehmen einen verbindlichen Planungshorizont. Der Stillstand von Wirtschaft und Gesellschaft muss stufenweise enden.

Der BDI sieht vier Phasen für die Industrie, bis wieder ein Niveau wie vor der Pandemie erreichbar ist. Dazu ist auch die Hilfe der Politik gefragt, um die drohende Rezession abzufedern.

Eindämmungsphase: Schützen und testen

In der Eindämmungsphase kommt es darauf an, Unternehmen und Beschäftigte vor schweren Verwerfungen zu schützen. Dazu sind umfangreiche Programme des Bundes und ergänzende Programme der Länder sowie der EU verfügbar, deren Wirksamkeit und Angemessenheit kontinuierlich überprüft werden müssen.

Im Vordergrund steht die Gesundheit von Beschäftigten und Kunden. Darum brauchen die Firmen genügend Test-Kapazitäten. Auch der flächendeckende Einsatz von Rückverfolgungs-Apps mit einer Nutzung von Handy-Daten sowie eine breite Akzeptanz von Mundschutz im öffentlichen Raum gehören dazu.

Wiedereinstieg: Lieferketten wiederherstellen, Finanzen sichern

Nach einer Eindämmung der Pandemie wird es eine mehrmonatige Phase des Wiedereinstiegs geben, in der wirtschaftliche Aktivitäten schrittweise wieder möglich werden. Die Industrie muss in dieser Phase auf einen intensiven Arbeitsschutz achten, um die Ansteckungsgefahr zu senken. Dieser Wiedereinstieg wird erst zu Ende sein, wenn ein Impfstoff oder wirksame Medikamente verfügbar sind – hoffentlich im Laufe des Jahres 2021.

In dieser Zeit werden der Handel und die industrielle Produktion wieder beginnen. Allerdings wird es angesichts der wahrscheinlichen weltweiten Rezession kaum sofort gelingen, das Vor-Krisen-Niveau zu erreichen.

In dieser Phase werden die Firmen Liquiditäts- und Eigenkapitalhilfen benötigen. In stark betroffenen Branchen müssen Prozessketten wieder hergestellt werden, bei denen Dienstleistungen und eine leistungsfähige Verwaltung zusammenspielen. Beispiel Autoindustrie: Nicht nur die Produktion muss wieder anlaufen, auch Autohäuer und Zulassungsstellen müssen öffnen.

Stablisierungsphase: Anreize für Investitionen und Innovationen

Nach dem Wiedereinstieg, voraussichtlich ab dem ersten Quartal 2021, dürfte eine Phase der Stabilisierung von ein bis zwei Quartalen folgen. In dieser Zeit werden die Beschränkungen des öffentlichen Lebens weitgehend aufgehoben, so dass die Wirtschaft wieder ungestört arbeiten kann. In dieser Phase werden die Unternehmen insbesondere in der Industrie noch mit schwacher Nachfrage zu kämpfen haben.

Eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau wird gesamtwirtschaftlich frühestens im Laufe von 2021, womöglich erst 2022 gelingen.

Die Politik kann hier Investitionsanreize für private Unternehmen setzen – und zwar in ganz Europa. In Frage kämen geänderte Abschreibungsregeln, niedrigere Steuersätze sowie schnellere Genehmigungsverfahren und Planungsbeschleunigung, eine schnellere Umsetzung öffentlicher Investitionen, eine niedrigere Ertragsteuerbelastung und eine temporäre Absenkung des Mehrwertsteuersatzes.

Daneben sind längerfristige Maßnahmen denkbar - höhere staatliche Investitionen, die Verbesserung der Infrastruktur, Steuersenkungen für Unternehmen und mehr Förderung von Forschung und technischem Fortschritt.

Konjunkturprogramme wären in dieser Phase noch nicht sinnvoll, da die Firmen noch nicht wieder voll produzieren können. Sie können aber bereits politisch vorbereitet werden, so dass sie in einer späteren Stufe unmittelbar zünden können.

Erholungsphase: Rückkehr zum NIveau vor der Krise

In der Erholungsphase schließlich geht es um eine Wiederherstellung von grenzüberschreitendem Handel und Investitionen. Weder der Bund noch die EU sollten die Restrukturierung von Wertschöpfungsketten von Amts wegen vorantreiben. Die Unternehmen sind selbstständig in der Lage, mehr Resilienz in Lieferketten und Wertschöpfungsverbünde zu bringen, um Verwundbarkeiten durch stärkere Diversifizierung abzufedern.

BDI-Papier: Neustart und Erholung

Wie die Industrie zur Normalität zurückkehren kann.

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