16.09.21

Duale Berufsausbildung stärken – zur Sicherung des Fachkräftenachwuchses

Brandenburger Bündnis für Gute Arbeit schreibt Ausbildungskonsens bis 2023 fort

Der „Brandenburgische Ausbildungskonsens“ als gemeinsame Plattform zur Stärkung der dualen Berufsausbildung wird bis 2023 fortgeschrieben. Darauf verständigten sich die Partner heute bei der Sitzung des „Brandenburger Bündnisses für Gute Arbeit“ in der Potsdamer Staatskanzlei, die von Ministerpräsident Dietmar Woidke eröffnet wurde. In ihrer gemeinsam unterzeichneten Erklärung bekräftigen sie, dass die duale Ausbildung weiterhin ein Erfolgsmodell zur Sicherung des Fachkräftenachwuchses in Brandenburg ist. Das Papier entwickelt die derzeitige Vereinbarung weiter und trägt damit den durch die Corona-Pandemie und die Digitalisierung bedingten Anforderungen Rechnung. Auch das Aktionsprogramm „Zukunft des Handwerks im Land Brandenburg“ wird bis 2023 fortgeschrieben.

Zentrales Ziel des Ausbildungskonsenses bleibt es, die duale betriebliche Berufsausbildung im Land Brandenburg weiter zu stärken. Denn sie sichert den Unternehmen den Fachkräftenachwuchs und trägt damit auch zur Stärkung des gesamten Wirtschaftsstandorts bei. Künftig soll zudem die neue, einheitliche Ausbildung in den Pflege- und Gesundheitsberufen in den Ausbildungskonsens einbezogen werden. Mit der Ausbildungsoffensive „Brandenburg will Dich! Hier hat Ausbildung Zukunft.“ wollen die Partner die Ausbildungs- und Karrierechancen in Brandenburg weiterhin gut sichtbar machen.

Einig sind sie sich darin, dass sich die duale Berufsausbildung während der Corona-Pandemie als erstaunlich robust erwiesen hat. Die Unternehmen haben ihr Ausbildungsplatzangebot in beachtlichem Umfang aufrechterhalten. Die Pandemie hat sich einerseits als Beschleuniger der Digitalisierung erwiesen, aber andererseits auch als eine Art Brennglas, das sozial bedingte ungleiche Bildungsvoraussetzungen schärfer zu Tage hat treten lassen.   

Die Partner halten daran fest, den Zielwert von jährlich 10.000 neu abgeschlossenen betrieblichen Ausbildungsverträgen zu erreichen, da diese Zahl die betrieblichen Bedarfe realistisch abbildet. Ziel ist es, alle angebotenen betrieblichen Ausbildungsplätze zu besetzen sowie allen ausbildungsinteressierten Jugendlichen ein Ausbildungsangebot zu unterbreiten. Dabei sollen alle Nachwuchspotenziale genutzt werden. Ausdrücklich zählen dazu auch Menschen mit Behinderungen oder mit Flucht- und Migrationshintergründen sowie junge Frauen und Männer mit Brüchen in der Biographie.

Die Partner bekennen sich dazu, die Landesstrategie zur beruflichen Orientierung konsequent umzusetzen. Erklärtes Ziel ist zudem, ein flächendeckendes Netzwerk für die berufliche Bildung und eine möglichst wohnort- und betriebsnahe Beschulung zu erhalten.

Als neuer Arbeitsschwerpunkt wurde aufgenommen, die Perspektiven von Jugendlichen und Eltern bei der Bewerbung von Ausbildungsplatzangeboten künftig stärker zu berücksichtigen. Außerdem will man verstärkt Studienabbrecherinnen und -abbrecher für die duale Berufsausbildung gewinnen. Mit größerem Nachdruck wollen sich die Partner künftig auch der Mobilität und Unterbringung von Auszubildenden widmen.

Zudem wurde die im vergangenen Jahr erneuerte Kooperation zwischen dem Brandenburger Bündnis für Gute Arbeit und dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) mit Ergebnissen aus dem gemeinsamen Auftaktworkshop untersetzt. 

Die neunseitige Erklärung des Brandenburgischen Ausbildungskonsenses unterzeichneten Ministerpräsident Dietmar Woidke, Arbeits- und Wirtschaftsminister Jörg Steinbach, Bildungsministerin Britta Ernst, Landwirtschaftsminister Axel Vogel, Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher, Carina Knie-Nürnberg aus der Geschäftsführung der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit, Christian Hoßbach, Vorsitzender des DGB-Bezirks Berlin-Brandenburg, Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Unternehmerverbände in Berlin und Brandenburg, Rainer Großmann, Beisitzer im Präsidium des Landesverbandes der Freien Berufe Land Brandenburg, Carsten Christ, Präsident der IHK Ostbrandenburg für die Landesarbeitsgemeinschaft der Brandenburgischen IHKs, sowie Ralph Bührig, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Potsdam.

Ministerpräsident Dietmar Woidke zeigte sich erleichtert, wie gut Brandenburgs Arbeitsmarkt bislang durch die Pandemie gesteuert ist. Das Bündnis für Gute Arbeit hat sich auch in dieser Situation sehr bewährt: „Für junge Menschen gilt längst: Bei uns in Brandenburg gibt es gute Ausbildung und beste Jobchancen. ‘Gute Arbeit‘ heißt auskömmliche Bezahlung, Fachkräftesicherung, Qualität bei der Ausbildung, aber auch Stärkung der Sozialpartnerschaft, höhere Tarifbindung sowie sichere und gesunde Arbeitsbedingungen. Wir werden weiter gemeinsam daran arbeiten, die Voraussetzungen für bestmögliche Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen zu gewährleisten.

Die guten Arbeitsmarktzahlen sind kein Ruhekissen, sondern Ansporn, den erfolgreichen Neustart der Wirtschaft nachhaltig zu sichern. In dieser besonderen Situation Kurs zu halten, besonnen zu reagieren und dennoch Flexibilität zu beweisen, war und ist eine große Anstrengung. Die enge Zusammenarbeit und der regelmäßige Austausch der arbeitsmarktpolitischen Akteure sowie die Kooperation mit der Wissenschaft hat sich dabei mehr als bewährt. Ich bin froh, dass wir dieses Bündnis haben und danke allen Partnern.“

Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg: „Für die Wirtschaft in Brandenburg ist die duale Ausbildung der Schlüssel zur Zukunft. Die Unternehmen bieten daher deutlich mehr Lehrstellen an, als die Statistik bislang ausweist. Im Ausbildungsjahr 2020 haben sie ursprünglich 13.400 Nachwuchskräfte gesucht. Allerdings konnten die Betriebe unter dem Strich rund 4.000 dieser Stellen und damit jede dritte nicht besetzen. Das schmerzt, denn Brandenburg steht vor einem intensiven demografischen Umbruch. Hier müssen wir besser werden und die vorhandenen Plätze auch besetzen.

Darum ist es so wichtig, die Mobilitätsangebote zwischen Berlin und Brandenburg weiter zu verbessern. Dadurch bekommen junge Menschen die Möglichkeit, die Berufschancen in der gesamten Hauptstadtregion zu nutzen. Zudem muss die duale Ausbildung insgesamt attraktiver werden. In den Berufsschulen und Betrieben geht es dabei vor allem darum, digitale Angebote und Inhalte zu stärken, damit die angehenden Fachkräfte für die Transformation in vielen Bereichen gerüstet sind.“

Carina Knie-Nürnberg, Geschäftsführerin Operativ der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit: „Eine duale Ausbildung bietet ein festes Fundament für den Start in ein selbstbestimmtes Leben. In Brandenburg finden die Jugendlichen ein sehr breites Angebot von Unternehmen, die sich Fachkräftenachwuchs wünschen. Auch die Berliner Jugendlichen sollten die vielfältigen Möglichkeiten der Hauptstadtregion nutzen und ins Umland schauen. Die Jugendberufsagenturen, Arbeitsagenturen und Jobcenter unterstützen über die Ländergrenzen hinweg mit Berufsorientierung und Beratung bei der Suche nach dem richtigen Ausbildungsplatz. Sie bringen ausbildungsinteressierte junge Menschen und Arbeitgeber zusammen."

Christian Hoßbach, Vorsitzender des DGB-Bezirks Berlin-Brandenburg: „Das Brandenburger Bündnis für gute Arbeit stellt heute das Thema Ausbildung in den Mittelpunkt, und das ist ganz im Sinne auch der Gewerkschaften. Die Jüngeren haben unter Corona mit riesigen Einschränkungen leben müssen. Deshalb ist es wichtig, jetzt Ausbildungsplätze bereitzustellen und dafür zu werben. Gleichzeitig ist es richtig, langfristig Sicherheit zu vermitteln – wie etwa durch den Neuaufbau einer Berufsschullehrerausbildung in Brandenburg. Das beweist: Wir setzen glaubwürdig und dauerhaft auf das hervorragende Modell der dualen Ausbildung.

Corona hat eindeutig gezeigt, wie grundlegend wichtig ein leistungsfähiger Sozialstaat, handlungsfähige öffentliche Dienste und tragfähige tarifliche Einkommen sind. Daraus müssen die richtigen Schlüsse gezogen werden. Insgesamt muss die Devise heißen: Mit Guter Arbeit aus der Krise wachsen. Die Stärkung der Tarifbindung ist kein Orchideenthema, sondern muss als Pflichtthema in wirtschaftspolitische Strategien des Landes eingebaut werden, ob im Tourismus oder – wie heute erneut vereinbart – im Handwerk.“

Rainer Großmann, Beisitzer im Präsidium des Landesverbandes der Freien Berufe Land Brandenburg e.V.: „Seit Jahren zeichnen sich die freien Berufe durch eine herausragende Qualität und Kontinuität in der Ausbildung aus. Wir bilden die Zukunft aus!“

Carsten Christ, Präsident der IHK Ostbrandenburg für die Landesarbeitsgemeinschaft der Brandenburgischen IHKs: „Als Unternehmer begeistern wir schon Schülerinnen und Schüler für eine Ausbildung in Brandenburg und ebnen Berufsanfängern den Weg. All die Bemühungen in unseren Betrieben werden aber nur im Zusammenspiel mit guter schulischer Ausbildung unserer Azubis fruchten. Die Berufsschulen brauchen dringend mehr gut ausgebildete und leidenschaftliche Lehrer, damit neben dem praktischen auch der theoretische Teil der Berufsausbildung zukünftig auf hohem Niveau bestehen kann.“

Ralph Bührig, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Potsdam, sagt: „Die heute getroffenen Vereinbarungen sind wichtige Bausteine, die Fachkräftesicherung im Handwerk in den kommenden Jahren weiter zu unterstützen. Das Handwerk steht vor großen Herausforderungen – bei der Suche nach Auszubildenden, der Fachkräftesicherung und der Unternehmensnachfolge. An den heute beschlossenen Unterstützungsmaßnahmen wird sich die Landesregierung messen lassen müssen.“

Arbeits- und Wirtschaftsminister Jörg Steinbach: „Fachkräfte sind das Fundament unserer wirtschaftlichen Zukunft. Und der Königsweg der Fachkräftesicherung ist nach wie vor die duale Ausbildung. Sie vermittelt Jugendlichen berufliche Qualifikationen, ebnet den Übergang in die Beschäftigung und eröffnet vielfältige berufliche Aufstiegs- und persönliche Entwicklungschancen. Gleichzeitig ist sie das Fundament für eine Arbeitswelt im digitalen Wandel.

Unsere Jugendlichen haben beste Voraussetzungen, um erfolgreich in ihre berufliche Zukunft zu starten. Auch jetzt zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres gibt es noch viele freie Ausbildungsplätze in märkischen Unternehmen. An die Jugendlichen, die noch eine Lehrstelle suchen, appelliere ich, sich zu bewerben. Mein Dank gilt den vielen brandenburgischen Betrieben, die sich in der Berufsausbildung engagieren.“

Bildungsministerin Britta Ernst: „Mit dem Ausbildungskonsens haben wir ein starkes Instrument in der Hand, die berufliche Ausbildung auf die Erfordernisse der Zeit einzustellen. Er ist ein klares Bekenntnis aller dafür verantwortlichen Akteure, unser duales Ausbildungssystem weiter zu stärken. Eine gute Ausbildung sichert gute Chancen im Job, ermöglicht Aufstieg und gesellschaftliche Teilhabe. Mehr als 330 anerkannte Ausbildungsberufe gibt es in Deutschland.

Diese Vielzahl der Berufe hilft Jugendlichen, eine berufliche Orientierung zu starten und eine erfolgreiche berufliche Zukunft zu planen. Ich freue mich, dass wir an der Zielmarke von 10.000 neuen Ausbildungsverträgen festhalten. Ich wünsche den Schülerinnen und Schülern eine erfolgreiche Suche nach dem passenden Weg, einen guten Start in die Ausbildung und alles Gute für Ihren zukünftigen Beruf.“

Landwirtschaftsminister Axel Vogel: „Die Duale Ausbildung im Agrarbereich ist die nachhaltigste Möglichkeit, um dem drohenden Fachkräftemangel in den landwirtschaftlichen Berufen zu begegnen. Zusätzlich steigen die Anforderungen an die beruflichen Kompetenzen in den Landwirtschaftsbetrieben. Beschäftigte sind angesichts des Klimawandels und gestiegener Verbraucheransprüche fachlich und gesellschaftlich gefordert. Das Agrar- und Umweltministerium zieht gemeinsam mit den anderen Partnern des Ausbildungskonsenses in Sachen Berufsorientierung, Sicherung und Verbesserung der Qualität der Ausbildung an einem Strang.  Unser Ministerium fördert bereits Personal zur Fachkräftesicherung, das heißt auch zur Verbesserung der beruflichen Ausbildung in den Geschäftsstellen von Gartenbau- und Landesbauernverband.“

Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher: „Das ‚Brandenburger Bündnis für Gute Arbeit‘ ist eine Erfolgsgeschichte. Besonders in den Gesundheits- und Pflegeberufen gibt es einen enormen Fachkräftebedarf. Attraktive Ausbildungs- und Beschäftigungsbedingungen sind der Schlüssel, damit junge Menschen für diese wichtigen Berufe begeistert und gewonnen werden. Dafür hat das Bündnis in den vergangenen Jahren bereits sehr viel bewirken können.“

Hintergrund

Das „Brandenburger Bündnis für Gute Arbeit“ wurde am 11. Mai 2016 gegründet.  Dem Bündnis gehören unter Vorsitz von Ministerpräsident Woidke das federführende Wirtschafts- und Arbeitsministerium, das Bildungsministerium, das Gesundheitsministerium, die Industrie- und Handelskammern, die Handwerkskammern, der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Unternehmensverbände Berlin und Brandenburg, die LIGA der freien Wohlfahrtsverbände sowie die Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit an.

Handlungsschwerpunkte des Bündnisses sind Fachkräftesicherung, gute Ausbildung, Stärkung der Sozialpartnerschaft, höhere Tarifbindung, sicheres und gesundes Arbeiten sowie Arbeitsmarktintegration von benachteiligten Gruppen.

Weitere Informationen unter www.ausbildungskonsens-brandenburg.de

Die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) sind die Stimme der Wirtschaft in der Hauptstadtregion. Wir stehen für 60 Mitgliedsverbände aus allen wichtigen Branchen, von der Autoindustrie bis zur Startup-Branche. Als Landesvereinigung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und Landesvertretung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) setzen wir uns für die Belange der regionalen Wirtschaft auf Bundesebene ein. Unser ordnungspolitisches Leitbild ist die Soziale Marktwirtschaft mit einem funktionierenden Wettbewerb. Für uns sind unternehmerische Freiheit, ökonomische Leistungsfähigkeit und Verantwortung für das Gemeinwohl untrennbar miteinander verbunden.

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