22.09.23Berlin

Damit jeder seine Chancen nutzen kann

Gastkommentar von UVB-Präsident Stefan Moschko in BDA AGENDA 20/23, dem Newsletter der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände:

"Nach dem Sommer läuft überall wieder der Lehr- und Lernbetrieb an den Schulen. Viele Jungen und Mädchen bereiten sich auf ihren Schulabschluss vor – und auf den nächsten großen Schritt, den Einstieg in die Berufswelt und damit ins Arbeitsleben.

Das Bittere ist: Schon jetzt müssen wir davon ausgehen, dass viele tausend junge Menschen in ganz Deutschland dieses Ziel verfehlen werden. Weil sie die Schule ohne einen offiziellen Abschluss verlassen. Im vergangenen Jahr waren es 50.000 Jugendliche. Die Quote derjenigen, die am Ende mit leeren Händen dastehen, ist in Bundesländern wie Berlin besonders hoch.

Eine solch dramatische Vergeudung von Talenten können wir uns angesichts der demografischen Lage nicht leisten. Sicher, es geht hier um viele individuelle Schicksale. Dass aber so viele Menschen am System Schule scheitern, geht mutmaßlich über die Verantwortung eines und einer jeden Einzelnen hinaus.

Das Problem wächst Jahr für Jahr. Bereits 2,7 Millionen Menschen zwischen 20 und 34 Jahren haben aktuell keinen Abschluss und entsprechend schlechte Chancen im Leben, schätzt die Bertelsmann-Stiftung. Wer aus einer armen Familie stammt oder eine Migrationsgeschichte hat, ist überdurchschnittlich stark betroffen.

Das Thema steht auf der Agenda der Politik offenbar nicht sehr weit oben. Die Leistungen der Schülerinnen und Schüler in Deutschland haben sich dem INSM-Bildungsmonitor zufolge in den vergangenen zehn Jahren verschlechtert, von zwei Ausnahmen (Hamburg und Saarland) abgesehen. Vom Rückstand bei der Digitalisierung ganz zu schweigen. 

Die Unternehmen trifft das oft doppelt: Auf der einen Seite finden sie keine passenden Bewerberinnen und Bewerber für ihre Ausbildungsplätze. Das Thema Fachkräfte-Mangel wird also noch dramatischer. Auf der anderen Seite werden die Betriebe in die Pflicht genommen, wenn junge Menschen bei der Suche nach einer dualen Ausbildung leer ausgehen. Bremen und Berlin haben Pläne für eine Ausbildungsplatz-Abgabe entweder schon beschlossen oder sie in der Schublade liegen. Auch wenn das Instrument komplett am Problem vorbei geht.

Handeln wäre auf einem ganz anderen Feld gefragt. Akut müssen junge Leute mit Lernschwierigkeiten eng an die Hand genommen und auf den Schulabschluss vorbereitet werden. Mit den Unternehmensverbänden Berlin-Brandenburg verfolgen wir im Projekt #Chancen nutzen genau dieses Ziel: 140 Jugendliche bekommen von Ausbildungsexperten des Unternehmens Joblinge direkte Unterstützung bei der Berufswahl und bei der Suche nach Praktika. Auch nach dem Start der Ausbildung geht die Hilfe weiter.

Das Beste wäre, bedeutend früher anzusetzen. Die frühkindliche Bildung und der Spracherwerb müssen besser gefördert werden, gerade für Kinder aus Familien, in denen nicht Deutsch gesprochen wird. Zudem muss die Schulqualität steigen, vor allem durch mehr und besser ausgebildete Lehrkräfte. Unverzichtbar ist auch eine frühere und intensivere Berufsorientierung.

Die jungen Leute müssen ein Ziel haben, das sie erreichen wollen – ob eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker oder zur Augenoptikerin. Auch ein elftes Pflichtschuljahr kann eine Option sein, um Lücken bei Basis-Qualifikationen zu schließen. So helfen wir den Jugendlichen wirkungsvoller als mit einer Ausbildungsplatzabgabe, die viel kostet und nichts bringt."

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Carsten Brönstrup
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