Berlins Misere - Woran das Bauen scheitert
Manchmal konzentriert sich die Misere einer ganzen Stadt in einer einzigen Zahl. Um mehr als 30 Prozent sind die Baugenehmigungen in Berlin im ersten Halbjahr 2024 eingebrochen, meldet das Statistikamt. Anträge für nicht einmal 6.400 neue Wohnungen gingen bei den Behörden ein. Seit vielen Monaten sind die Zahlen rückläufig. Das politische Ziel von 20.000 neuen Wohnungen pro Jahr rückt so einmal mehr in weite Ferne. Zumal Baugenehmigungen längst nicht eins zu eins in neue Wohnungen umgesetzt werden.
Kaum ein Thema ist so vielen Menschen in der Stadt so vertraut wie der Mangel an Wohnraum. Für unsere Unternehmen wird er ein immer größeres Ärgernis. Wo bezahlbare Wohnungen fehlen, haben es Fachkräfte und der Nachwuchs schwer, Fuß zu fassen.
Auf der einen Seite streben den Prognosen zufolge in der Zukunft noch mehr Menschen nach Berlin. Sie hoffen auf eine spannende Karriere, auf eine gute Ausbildung, auf Zuflucht oder auf ein interessantes Leben. Auf der anderen Seite lässt sich das Bauen nicht von heute auf morgen beschleunigen. Zinsen, höhere Materialpreise oder der Fachkräftemangel bremsen, hinzu kommt die Skepsis von Anwohnerinnen und Kommunalpolitikern gegenüber einer weiteren Verdichtung.
Umso begrüßenswerter ist, dass die Politik endlich an dem Thema arbeitet. Die Bundesregierung hat Maßnahmen beschlossen, die das Bauen einfacher und schneller machen sollen. In Berlin ist das Schneller-Bauen-Gesetz auf dem Weg, das weniger Bürokratie und raschere Planungen vorsieht. Das Abgeordnetenhaus ist gefordert, zügig darüber zu beraten und rasch einen Beschluss zu fassen. Sonst wird Berlins Bau-Misere zur unendlichen Geschichte.