Bildung neu denken
Die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg haben ihre neuen bildungspolitischen Empfehlungen vorgestellt. Unter dem Titel „Bildung neu denken – Zukunft für Berlin und Brandenburg sichern“ skizzieren sie, wie ein modernes, leistungsfähiges und zukunftsorientiertes Bildungssystem in der Hauptstadtregion aussehen muss. Im Fokus stehen zentrale Herausforderungen entlang der gesamten Bildungskette – von der frühkindlichen Förderung bis zur Weiterbildung.
Die UVB machen deutlich: Angesichts von Fachkräftemangel, Transformation und steigenden Anforderungen an Kompetenzen muss Bildung deutlich stärker politisch priorisiert werden. Investitionen in Bildung seien nicht nur gesellschaftlich notwendig, sondern auch ein zentraler Standortfaktor für die Wirtschaft.
Frühkindliche Bildung: Sprachförderung und Qualität im Mittelpunkt
Die UVB betonen, dass frühe Bildung entscheidend für den späteren Lernerfolg ist. Trotz hoher Betreuungsquoten weisen viele Kinder bei der Einschulung weiterhin große Entwicklungs- und Sprachdefizite auf.
Kernempfehlungen:
- verbindliche und qualitativ hochwertige Sprachförderung in allen Kitas
- konsequente Qualitätsentwicklung und professionell ausgebildete Fachkräfte
- attraktivere Karrierewege für Erzieherinnen und Erzieher, auch für Quereinsteiger
- Ausbau der Studienkapazitäten an Fach- und Hochschulen
- perspektivisch: verpflichtende Vorschule bzw. dreijährige Kitapflicht, sofern Qualitätsstandards gesichert sind
Schulen stärken: Mehr Personal, weniger Bürokratie, modernere Inhalte
Berlin und Brandenburg stehen im Schulbereich vor massiven Herausforderungen – Lehrkräftemangel, überfrachtete Curricula und hohe Heterogenität prägen den Alltag. Viele Jugendliche verlassen die Schule ohne ausreichende Grundkompetenzen und starten mit Defiziten in Ausbildung oder Beruf.
Kernempfehlungen:
- Bürokratie abbauen und ein Lean-Management-Team in der Bildungsverwaltung etablieren
- mehr Unterrichtsassistenz, Koordinationsstellen und multiprofessionelle Teams
- modernisierte Lehramtsausbildung mit stärkerem Praxisbezug
- alternative Zugänge in den Lehrerberuf ermöglichen
- Unterricht stärker individualisieren und auf digitale, MINT- und Anwendungsorientierung ausrichten
- Schulen mehr Selbstständigkeit geben und Schulleitungen stärker qualifizieren
Duale Ausbildung: Orientierung verbessern und Übergänge vereinfachen
Der Fachkräftemangel trifft die duale Ausbildung besonders hart. Viele Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt, während zugleich die Zahl junger Menschen in Übergangsmaßnahmen hoch bleibt.
Kernempfehlungen:
- Berufsorientierung früh beginnen – bereits in der Grundschule
- Berufs- und Studienorientierung als Querschnittsthema in allen Fächern verankern
- Jugendberufsagenturen als regionale Kompetenzzentren stärken
- Maßnahmen zur Ausbildungsreife systematisch evaluieren und unwirksame Angebote abbauen
- Schulen, BO-Teams und Wirtschaft enger miteinander vernetzen
Berufsschulen modernisieren: „Vorfahrt Berufsschule“
Die UVB stellen klar, dass leistungsfähige Berufsschulen ein zentraler Pfeiler der dualen Ausbildung sind – auch für den Erfolg der Betriebe.
Kernempfehlungen:
- zusätzliche Lehrkräfte gewinnen und Qualifizierungswege für Quereinsteiger ausbauen
- digitale Infrastruktur und hybride Lernmodelle stärker nutzen
- Lernortkooperationen mit Unternehmen systematisieren
- Azubi-Mobilität und Unterbringungsangebote verbessern
Hochschulen weiterentwickeln: Kooperationen und lebenslanges Lernen stärken
Die Hauptstadtregion verfügt über hochattraktive Hochschulen – dennoch gelingt es zu selten, Absolventinnen und Absolventen für den regionalen Arbeitsmarkt zu gewinnen.
Kernempfehlungen:
- Career Services zu Brücken zwischen Campus und Wirtschaft entwickeln
- duale Studiengänge ausbauen – auch im Lehramt
- flexible, berufsbegleitende Weiterbildungsangebote wie Nano-Degrees stärken
- digitale Lernangebote in einer gemeinsamen „Open Online University“ bündeln
Weiterbildung: Unternehmen und Beschäftigte unterstützen
Transformation, Digitalisierung und Fachkräftemangel erhöhen die Bedeutung beruflicher Weiterbildung erheblich.
Kernempfehlungen:
- innovative, arbeitsplatznahe Lernformate fördern
- digitale Weiterbildungsangebote ausbauen
- speziell KMU durch Beratung und Unterstützung stärken
- Kooperationen mit EdTech-Unternehmen für moderne Lernkonzepte nutzen
Fazit: Bildung muss eine höhere Priorität bekommen
Die UVB fordern eine gesellschaftliche und politische Aufwertung von Bildung. Angesichts der Herausforderungen sind pragmatische Reformen, gezielte Investitionen und ein echter Systemverbund entlang der gesamten Bildungskette notwendig. Nur so kann Berlin-Brandenburg auch künftig wirtschaftlich erfolgreich, resilient und attraktiv bleiben.