09.03.26 | Berlin

Konjunkturumfrage 2026: Vier von zehn Branchen fürchten 2026 schlechtere Geschäfte

Viele Unternehmen sind verunsichert. Eine Ausbildungsplatzabgabe könnte die Lage noch verschlimmern

Die konjunkturelle Lage in Berlin und Brandenburg bleibt geprägt von Unsicherheit und vorsichtigem Agieren der Betriebe. Laut der aktuellen Frühjahrsumfrage der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) unter 60 Mitgliedsverbänden ist ein echter Aufschwung derzeit nicht in Sicht. Verantwortlich dafür sind nach Ansicht des Spitzenverbands viele hausgemachte Hindernisse für die wichtigsten Branchen. Zudem bremsen geopolitische Schocks wie die Eskalation im Nahen Osten. Im Hinblick auf die Abgeordnetenhauswahl in Berlin fordert die UVB ein Ende der Debatten über zusätzliche Belastungen und Staatseingriffe.

Konjunktur: Gedämpfte Erwartungen und geopolitische Risiken

Fast 40 Prozent der Branchen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage der Umfrage zufolge als schlecht. Nur 20 Prozent zeigen sich zufrieden. Für das Gesamtjahr 2026 befürchten 39 Prozent der Verbände eine weitere Verschlechterung. Eine spürbare Besserung der Geschäfte erwartet nur knapp jede zehnte Branche.

Chemie und Metallindustrie in der Krise, aber es gibt auch Lichtblicke

Besonders kritisch ist die Stimmung in der Industrie, vor allem in der Chemie- und Metallbranche. Hier zeigen die Pläne für Investitionen und Beschäftigung nach unten. Positive Impulse kommen lediglich aus der Elektroindustrie, der Luftfahrt, einigen Pharma-Sparten sowie der wachsenden Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft. Auch im Handwerk befürchten die meisten Gewerke eine Stagnation. Etwas besser sieht es im für Berlin wichtigen Dienstleistungssektor aus. Hier zeigt sich die Start-up-Branche besonders zuversichtlich. Schwergewichte wie der Handel oder die Gastronomie sehen dagegen noch kein Licht am Ende des Tunnels.   

Die Umfrage zeigt die Stimmung der Unternehmen in Berlin und Brandenburg im Frühjahr 2026.

An einen kräftigen Aufschwung, der unmittelbar bevorsteht, glauben nur die wenigsten Mitgliedsverbände der UVB.  

„Einen starken Aufschwung hat derzeit keine Branche auf dem Zettel“, kommentierte UVB-Hauptgeschäftsführer Alexander Schirp am Dienstag in Berlin. „Wir steuern bestenfalls auf eine leichte wirtschaftliche Belebung zu. Die Unternehmen befinden sich in einem Krisen-Stakkato aus geopolitischen Verwerfungen, Handelskonflikten und steigenden Kosten für Energie und Arbeit.“ Wie stark sich der Iran-Konflikt auf Berlin und Brandenburg auswirken werde, hänge von der Dauer der Auseinandersetzung ab. Die Unternehmensverbände prognostizieren für Berlin ein Wachstum von etwa einem Prozent. Für Brandenburg liegen die Erwartungen bei einer schwarzen Null nach drei Jahren in Folge mit einem negativen Ergebnis.

Effekte der Ausbildungsplatzabgabe: Weniger Angebot und steigende Kosten 

In der Umfrage hatte die UVB ihre Mitgliedsverbände auch gefragt, wie sich eine Ausbildungsplatzabgabe auswirken werde. Jede zweite Branche will demnach ihr Angebot reduzieren, sollte in Berlin eine solche Abgabe eingeführt werden. Acht von zehn Verbänden erwarten davon zudem weitere steigende Bürokratiekosten. „SPD und CDU setzen bei der Ausbildungsplatzabgabe auf das falsche Pferd“, warnte UVB-Hauptgeschäftsführer Schirp. Immer neue Staatseingriffe schwächten den Standort. Das gelte auch für die Debatte über die Enteignung von Wohnungsunternehmen und mögliche Vergesellschaftungen.     

100.000 zusätzliche Wohnungen sind machbar

Schirp forderte von der Berliner Politik, sich für bessere Investitionsbedingungen einzusetzen. Dazu gehöre ein Konzept für den Bau von 100.000 zusätzlichen Wohnungen durch schnellere Planungen und weniger Vorschriften. Auch in der gezielten Förderung von Zukunftsbranchen wie Life Sciences und digitaler Produktion stecke viel Potenzial. „Wenn Berlin und Brandenburg hier eng zusammenarbeiten, kann die Wirtschaftsleistung der Region um einen zweistelligen Milliardenbetrag steigen, das belegt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft.“  

Disclaimer

Die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) sind die Stimme der Wirtschaft in der Hauptstadtregion. Wir stehen für 60 Mitgliedsverbände aus allen wichtigen Branchen, von der Autoindustrie bis zur Startup-Branche. Als Landesvereinigung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und Landesvertretung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) setzen wir uns für die Belange der regionalen Wirtschaft auf Bundesebene ein. Unser ordnungspolitisches Leitbild ist die Soziale Marktwirtschaft mit einem funktionierenden Wettbewerb. Für uns sind unternehmerische Freiheit, ökonomische Leistungsfähigkeit und Verantwortung für das Gemeinwohl untrennbar miteinander verbunden.

UVB-Umfrage im Detail

Die Umfrage zeigt die Stimmung der Unternehmen in Berlin und Brandenburg im Frühjahr 2026.

Mäßige Aussichten

Nur wenige Verbände rechnen mit einem Aufschwung. 

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Carsten Brönstrup
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