10.05.17Berlin

100 Tage Trump

Wie steht’s für die USA und Deutschland?

100 Tage Präsident Trump – kaum ein Tag, an dem nicht eine neue Meldung aus dem Weißen Haus für Schlagzeilen sorgt. Die Meinungen zum neuen mächtigsten Mann der Welt sind gespalten – genauso wie ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung. Wo führt die neue Politik das Land hin? Und welche Auswirkungen hat das für Deutschland?

Auf der VME-Mitgliederversammlung half Dr. Christoph von Marschall, diplomatischer Korrespondent der Chefredaktion des Tagesspiegels, die Fakten zu ordnen und gab einen Überblick über die politische Lage in den USA.

„Wir sollten uns Amerika nicht als merkwürdigen Planeten vorstellen, mit dem wir nichts zu tun haben“, eröffnete von Marschall seinen Vortrag. „Im Gegenteil: Es gibt viele gemeinsame Herausforderungen.“ So sei beispielsweise auch Deutschland durch ein Stadt-Land-Gefälle geprägt. Zudem seien Fake-News sowie der kompetente Umgang mit Medien auch hierzulande ein zentrales Thema. Die Gemeinsamkeiten seien oft größer, als gedacht.

Auch in Deutschland gibt es politische Gefälle zwischen ländlichen Regionen und Städten. Oft ist der ländliche Raum durch den Wegzug junger Menschen und ein Wegbrechen von Ladenstrukturen geprägt. Darunter leidet der Zusammenhalt in den Kommunen. Von der Berliner Politik, einer Politik der Städte, fühlen sich viele Menschen nicht richtig verstanden. „Wir haben ähnliche Probleme wie die Amerikaner“, verdeutlicht Marschall die Situation. „In einzelnen Bereichen haben wir dadurch auch eine anwachsende politische Ernsthaftigkeit.“ Das zeige der Blick auf jüngste Landeswahlergebnisse. Ein Vorteil Deutschlands seien jedoch die gestiegene Wirtschaftskraft und der Zusammenhalt in der Bevölkerung. Die deutsche Gesellschaft sei sozial längst nicht so gespalten wie die amerikanische. Diese Werte gelte es auch in Zukunft zu erhalten.

Für die Industrie ergibt sich aus der 100-Tage-Bilanz indes ein deutlich positiveres Bild als zunächst befürchtet. „Momentan kann Trump 1,5 wirkliche Erfolge verzeichnen“, so das Fazit des Experten. Demnach sei die Berufung des konservativen  Richters Neil Gorsuch ins Oberste Gericht (Surpreme Court) als klarer Erfolg zu werten, den er gegen den erbitterten Widerstand der Demokraten durchsetzte. Die Konservativen erhalten durch Gorsuch wieder die Mehrheit im Gerichtshof. Ein halber Erfolg sei die Durchsetzung der Gesundheitsreform im Repräsentantenhaus, deren Erfolgsaussichten im Senat jedoch gering seien. Für die Wirtschaft relevante Themen wie die Verschärfung der Einwanderungspolitik, harte Steuerreformen und erhöhte Einfuhrzölle seien jedoch vorerst vom Tisch. Trump habe erkannt, dass die globalen Fertigungsketten, insbesondere der mobilen Branche, nicht einfach unterbrochen werden können. Und auch in der Außenpolitik gab es nach Ansicht des Experten eine 180-Grad-Wende. So gehöre die NATO wieder zum Kern der amerikanischen Sicherheitspolitik, was viele Menschen weltweit beruhigen dürfte.

Die ersten 100 Tage waren unruhig und sicher wird es in den voraussichtlich 1.300 weiteren Tagen seiner Amtszeit noch einige Überraschungen geben, aber insgesamt sei die politische Entwicklung der USA derzeit moderat – zumindest aus Sicht des Weltmarktes.

Christoph von Marschall
Christoph von Marschall, diplomatischer Korrespondent der Chefredaktion des Tagesspiegels und Amerika-Experte © VME 2017 / André Wagenzik

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Weiterführende Informationen

Wie ist es grundsätzlich mit der vielbeschworenen »Wertegemeinschaft« des Westens bestellt? Was trennt und was verbindet Amerikaner und Europäer? In seinem Buch "Was ist mit den Amis los?: Warum sie an Barack Obama hassen, was wir lieben" erklärt Christoph von Marschall die unterschiedlichen politischen Kulturen dies- und jenseits des Atlantiks.

Gebundene Ausgabe: 260 Seiten
ISBN-10: 3451305755
ISBN-13: 978-3451305757